Beck hat Verständnis für griechische Reparationsforderungen

Volker Beck, über dts Nachrichtenagentur
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Berlin – Der innenpolitische Sprecher der Grünen-Bundestagsfraktion, Volker Beck, hat Verständnis für die vom griechischen Ministerpräsidenten Alexis Tsipras gegen Deutschland erhobenen Reparationsforderungen aus dem Zweiten Weltkrieg gezeigt. „Die Forderung klingt doch eher innenpolitisch motiviert, was man vor dem Hintergrund der antigriechischen Stimmungsmache deutscher Medien auch verstehen kann“, sagte Beck dem „Handelsblatt“ (Online-Ausgabe). Beck, der auch Vorsitzender der deutsch-israelischen Parlamentariergruppe im Bundestag ist, lehnt generelle Reparationszahlungen zwar ab.

Die Bundesrepublik könne aber beispielsweise durchaus mit der Jüdischen Gemeinde Thessaloniki über eine individuelle Hilfe verhandeln. „Die dortige jüdische Gemeinde stellt einen Sonderfall dar“, sagte Beck. Die Juden aus der Gemeinde hätten sich 1943 mit einem „Lösegeld“ von umgerechnet 45 Millionen Euro von Deportation und Zwangsarbeit freigekauft, seien aber nach der Zahlung trotzdem deportiert und in Auschwitz ermordet worden. Von ehemals 50.000 Juden zähle die dortige jüdische Gemeinde heute noch 1.800 Mitglieder. „Doch darüber müsste man mit der Jüdischen Gemeinde Thessaloniki verhandeln, nicht mit Tsipras und seinem teils auch antisemitischem Regierungspartner“, betonte Beck. Griechenland hatte von Deutschland bereits mehrfach Entschädigungen wegen der Nazi-Kriegsverbrechen gefordert. Die Bundesregierung pochte jedoch stets darauf, dass die Frage der Reparationen im November 1945 durch internationale Abkommen geregelt worden sei.

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