Baden-Württemberg beliebtester Standort für ausländische Investoren

Berlin – Baden-Württemberg ist für ausländische Investoren der beliebteste Standort in Deutschland. Das geht aus einer aktuellen Studie der Beratungsgesellschaft Ernst&Young hervor, die der „Welt“ exklusiv vorliegt. 2013 wurden im Südwesten 222 Projekte realisiert, das entspricht alleine einem Drittel aller Neuansiedlungen und Erweiterungen.

Platz zwei bei den Investitionszielen belegt Nordrhein-Westfalen mit 163 Projekten vor Hessen mit 95 und Bayern mit 61. „Baden-Württemberg ist ein starker Wirtschaftsstandort mit guter Infrastruktur und einem großen Potenzial an gut ausgebildeten Arbeitskräften“, erklärte Peter Englisch, Partner bei Ernst&Young und Autor der Studie. Gleichzeitig profitiert das Bundesland aber auch von seiner geographischen Nähe zur Schweiz. Alleine 76 Engagements in der Siegerregion entfielen auf Firmen aus dem Nachbarland. Das zweitplatzierte Nordrhein-Westfalen wiederum ist vor allem bei Chinesen beliebt. Besonders schwach schneiden die Nordländer Mecklenburg-Vorpommern und Schleswig-Holstein mit jeweils nur einem einzigen Projekt ab. Und auch der Osten scheint nicht wirklich interessant für Investoren. Neben Mecklenburg-Vorpommern landet auch Brandenburg im hinteren Drittel des Rankings, Thüringen und Sachsen liegen zwar im Mittelfeld, die Zahlen allerdings sind denkbar schlecht. Allein Sachsen-Anhalt konnte im vergangenen Jahr punkten. 30 Projekte bedeuten eine Verdoppelung der Engagements von ausländischen Investoren gegenüber dem Vorjahr. „Was dort fehlt für weitere Erfolge, ist eine Willkommenskultur“, sagte Englisch. Insgesamt wurden 2013 von ausländischen Investoren 701 Projekte in Deutschland realisiert. Das sind 17 Prozent mehr als noch im Vorjahr. Die Zahl der geschaffenen Arbeitsplätze sank dennoch um rund 2.000 auf 10.350. Grund dafür sind Ernst&Young zufolge der Wegfall von Großprojekten. Beliebteste Stadt für ausländische Direktinvestitionen ist Düsseldorf. 69 Projekte wurden 2013 in der NRW-Landeshauptstadt realisiert. Platz zwei ging an Frankfurt/Main mit 57 vor München mit 37 und Berlin mit 25. Die Ansiedlungserfolge machen Düsseldorf auch im europäischen Vergleich zur großen Nummer. Nur London und Paris konnten 2013 mehr Investitionsprojekte vorweisen als die Rheinmetropole. Dass Berlin vergleichsweise schlecht abschneidet, begründete Peter Englisch mit fehlender Unterstützung. „Wirtschaftsförderung steht in Berlin nicht gerade an erster Stelle“, kritisierte der Experte. Dabei sei reichlich Potenzial vorhanden. Stattliche 28 Prozent der internationalen Investoren können sich eine Ansiedlung in Berlin vorstellen – wenn sie ohne Geschäftserfahrungen in Deutschland sind. Wer dagegen schon Erfahrungen gesammelt hat, verliert schnell die Begeisterung für die Hauptstadt. So würden von den Unternehmen, die bereits in der Bundesrepublik aktiv sind, gerade noch zehn Prozent nach Berlin gehen. „Ein professioneller Umgang mit Unternehmen findet in der Hauptstadt praktisch nicht statt“, begründete Englisch.

Über dts Nachrichtenagentur

Anzeige