Augsburg – Nun fliegt der Rettungshubschrauber „Christoph 40“

Augsburg + 28.01.2014 + 14-0164

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Christoph 40 ist startklar. Die offiziellen Einweihungsfeierlichkeiten fanden bereits statt, seit Dienstag, 28.01.2014, hebt der neueRettungshubschrauber schließlich vom Dachlandeplatz des Klinikums Augsburg zu Rettungsflügen ab. Im Interview erklärt Stationsleiter Daniel Bravi, wie sich die Besatzung auf ihren ersten Einsatztag vorbereitet hat.

28-02-2014 augsburg zentralklinikum rettungshubschrauber christoph-40 pressefoto2-adac new-facts-euDaniel Bravi (36) aus Obermeitingen im Landkreis Landsberg/Lech ist der Leiter der neuen Luftrettungsstation in Augsburg. 2000 schloss er seine Ausbildung zum Hubschrauberpilot bei der Bundeswehr ab, wo er sich als Berufssoldat am Standort Roth verpflichtet hatte. 2008 schließlich kam er zur ADAC Luftrettung. Bis zum seinem Standortwechsel nach Augsburg war er auf Christoph 33 im südbrandenburgischen Senftenberg eingesetzt.  Besonderheit: Senftenberg ist eine der wenigen Stationen in Deutschland mit 24-Stunden-Betrieb. Für Einsätze in der Dunkelheit musste Daniel Bravi daher eine spezielle Ausbildung mit Nachtsichtgeräten absolvieren. Mit der Berufswahl Hubschrauberpilot verwirklichte er sich einen Kindheitstraum. Seit 2000 war er insgesamt rund 2.800 Stunden und damit umgerechnet 116 Tage nonstop im der Luft.

 

Welche Vorbereitungen waren in den letzten Wochen noch nötig?

Bravi: Nach Fertigstellung aller Bauarbeiten am neuen Hangar mussten wir die Räume komplett einrichten. Dazu gehörten das medizinische Vorratslager, der Desinfektionsraum, die Hubschrauberhalle sowie die Einsatz- und Ruheräume für die Besatzungen. Und wir mussten alle notwendigen Computer für die Dokumentation und Datenerfassung der Einsätze installieren.

Was ist bis Dienstag noch zu tun?

Bravi: Im Grunde genommen sind alle wichtigen Vorbereitungen abgeschlossen, jetzt geht es nur noch an die Feinheiten.

Welches Gefühl haben Sie vor dem Betriebsstart?

Bravi: Ich freue mich sehr, dass es nun losgehen kann. Die Rettungsassistenten des BRK und die Notärzte des Klinikums haben sich in zahlreichen Schulungen intensiv vorbereitet und sind hoch motiviert. Ich bin mir sicher, dass alles klappt – trotz anfänglicher Nervosität, aber die gehört dazu.

 

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Neuer Hangar von ADAC und Klinikum ist die höchste Luftrettungsstation Deutschlands

Nach nur elfmonatiger Bauzeit ist ein Hubschrauberhangar auf dem Dach des Klinikums entstanden, der modernsten aktuellen und zukünftigen Anforderungen entspricht. „Christoph 40“, so der Funkrufname des neuen Augsburger Rettungshubschraubers, wird mit Erteilen der letzten technischen Betriebserlaubnis zu Rettungsflügen im Umkreis von 60 Kilometern rund um die Fuggerstadt starten. Der Rettungshubschrauber ist täglich von Sonnenauf- bis Sonnenuntergang einsatzbereit. Koordiniert wird er von der Integrierten Rettungsleitstelle Augsburg (Notruf 112). Die Baukosten in Höhe von 5,9 Millionen Euro trug das Klinikum, für die Neuanschaffung des Hubschraubers investierte die ADAC Luftrettung 5,5 Millionen Euro.

Riesenschritt nach vorne

Mit 58 Metern ist der neue Hangar die höchste Luftrettungsstation Deutschlands. Die Konstruktion mit einer Gesamtfläche von rund 800 Quadratmetern besteht aus der Hubschrauberhalle, Personal- und Hygieneräumen, einer beheizbaren Landeplattform mit Parkposition für einen zweiten Hubschrauber, der einen Patienten bringt, sowie einer Betankungsanlage, die über Steigleitungen gespeist wird. Ein entscheidender Schritt nach vorne ist der direkte Zugang in die Notaufnahme oder den Schockraum über einen separaten Aufzug. Vorteil für die Patienten ist die enorme Zeitersparnis und der deutlich schonendere Transport. Am Bodenlandeplatz musste der Patient bisher zeitaufwändig in einen Rettungs­wagen umgelagert und an­schließend in die Notaufnahme gebracht werden. Dieser Zwischenschritt entfällt.

Minimale Lärmbelastung

Durch den Dachlandeplatz werden Lärmemissionen auf ein Minimum reduziert. Wie Schallgutachten immer wieder ergeben, entstehen die größten Lärmspitzen bei Start und Landung.     

Weil Christoph 40 in 58 Metern Höhe abhebt oder wieder aufsetzt, wird eine Schall­ansammlung am Boden vermieden. Optimierte An- und Abflugrouten gewährleisten zudem, dass ein Großteil der benachbarten Häuser nicht überflogen werden müssen. Zum Einsatz kommt eine Maschine des Typs EC 135 P2 von Eurocopter. Dieser Hubschraubertyp ist leistungsstark, emissionsarm, kosteneffizient und durch den ummantelten Heckrotor besonders sicher und leise. Im Durchschnitt erreicht die Maschine einen Schalldruck von 86 Dezibel. Das entspricht der Geräuschkulisse eines Rasenmähers. Zum Vergleich: Hubschrauber älterer Modellgenerationen verursachen bis zu 120 Dezibel, vergleichbar mit dem Lärmpegel eines Presslufthammers. Die EC 135 wird deshalb auch als „Flüsterhubschrauber“ bezeichnet.

Notarztzubringer und fliegende Intensivstation

In so genannten „Primär-Einsätzen“ wird Christoph 40 als schneller Notarztzubringer insbesondere in entlegene Gebiete eingesetzt. Je nach Erkrankung oder Verletzungsmuster übernimmt die Crew den schnellen Transport des Patienten in eine geeignete Fachklinik. Ist dies nicht erforderlich, fährt ein Rettungswagen bodengebunden ins nächstgelegene Krankenhaus und die Besatzung ist wieder frei für Folgeeinsätze. Zur „fliegenden Intensivstation“ wird der Helikopter bei so genannten „Sekundäreinsätzen“. In dem Fall über­nimmt Christoph 40 den Transport eines Patienten von einem Krankenhaus niedrigerer Versorgungsstufe in eine Fachklinik mit erweiterten Therapiemöglichkeiten. Die Hubschrauberbesatzung setzt sich aus ei­nem Piloten des ADAC, einem Rettungsassistenten des BRK Augsburg und einem Notarzt des Klinikums zusammen. Maximal zwei Minuten nach dem Alarm ist die Crew in der Luft. Bei einer durchschnittlichen Einsatzentfernung von 30 bis 35 Kilometern dauert es acht Minuten bis zur Landung am Notfallort.

Quelle: ADAC


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