Arbeitsausbeutung und Schleusung in Nagelstudios weit verbreitet

Berlin (dts Nachrichtenagentur) – In Nagelstudios in Deutschland sind Arbeitsausbeutung und der Einsatz illegal ins Land gebrachter Vietnamesen weit verbreitet. Staatsanwaltschaften bundesweit führen derzeit mehrere Dutzend Ermittlungsverfahren gegen Schleuser und Betreiber meist vietnamesisch geführter Salons, berichtet die „Welt“ (Donnerstagsausgabe) unter Berufung auf eigene Recherchen. Auch die Bundespolizei ermittelt demnach in der Branche.

In den vergangenen zwölf Monaten rückte die Finanzkontrolle Schwarzarbeit mindestens ein halbes Dutzend mal zu Schwerpunktaktionen in verschiedenen deutschen Städten und Landkreisen aus, um die derzeit stark wachsende Branche zu kontrollieren. Nach Schätzungen des Magazins „Prof Nails“ gibt es derzeit zwischen 50.000 und 70.000 solcher Salons, die einen Umsatz von fünf bis sechs Milliarden Euro pro Jahr erwirtschaften. Bei den Kontrollen trafen die Zollermittler jedes Mal zahlreiche vietnamesische Frauen und Männer an, die ohne Aufenthaltserlaubnis zur Arbeit in den Läden eingesetzt waren und dort in Schwarzarbeit und für Stundenlöhne deutlich unterhalb des Mindestlohns arbeiteten. Regelmäßig stießen die Beamten laut der „Welt“ dort auch auf Minderjährige, die sich illegal in Deutschland aufhalten. Allein bei einer Schwerpunktaktion des Zolls am Dienstag trafen sie in 27 Studios fünf Minderjährige an. Die Ermittler von Zoll und Polizei gehen davon aus, dass Strukturen organisierter Kriminalität hinter der Arbeitsausbeutung stehen. Den Erkenntnissen des Berliner Landeskriminalamts zufolge etwa werden Vietnamesen häufig mit gefälschten oder von Landsleuten geliehenen Ausweispapieren über die polnische Grenze nach Deutschland geschleust. Von dort aus werden sie oft nach Berlin verbracht, wo die sie den Preis für den letzten Teilabschnitt ihrer Schleusung abarbeiten. Anschließend werden sie in Nagelstudios oder auch Gastronomiebetriebe im ganzen Land verteilt.

Zoll, über dts Nachrichtenagentur
Foto: Zoll, über dts Nachrichtenagentur