Alltagsheld | Hauptfeldwebel aus Füssen rettet 11-Jährigem das Leben

Bild: Bundeswehr

Endlich kann sich die Familie bei ihrem Helden bedanken: Ein Soldat hat dem älteren Sohn Anfang Oktober nach einem schweren Fahrradunfall bei Füssen das Leben gerettet und stahl sich noch an der Unfallstelle ganz bescheiden davon. Erst eine Facebook-Suche der Mutter und zahlreiche Anrufe in der Kompanie halfen den bayerischen Radarfeldwebel der 4. Kompanie des Gebirgsaufklärungsbataillons 230 in Füssen zu finden.

 

Hauptfeldwebel Tim Stieding war spät dran. Auf dem Heimweg fuhr er mit seinem Auto an einer Gruppe Fahrradfahrer vorbei. Diese Verspätung mag dem verunglückten Kind vielleicht das Leben gerettet haben.

Kurz davor war der 11-jährige Leonard mit seinem Fahrrad auf dem beliebten Fahrradweg unterhalb des Schlosses Neuschwanstein gestürzt. Der Vater, Christian Försch, fährt vor. „Als ich es hinter mir scheppern hörte, stieg ich ab. Ich dachte erst, es sei ein ganz normaler Unfall, wie es schon öfter vorkam. Nichts Wildes. Dann sah ich das Blut.“

Leonards Unfall war schlimmer als erwartet. Die Handbremse hatte sich in den Oberschenkel gebohrt und die Oberschenkelarterie verletzt. Der Junge verlor schnell viel Blut.

 

„Mustergültiger Verband“

Zu dem Zeitpunkt fuhr der Hauptfeldwebel Tim Stieding zufällig vorbei. Er parkte, half der Mutter bei der Verständigung des Notarztes und eilte zu dem verletzten Jungen. Dank seiner Ersthelferausbildung bei der Bundeswehr wusste er sofort, was zu tun war. Er erlöste den Vater, der mit seinen Händen versuchte, die Blutung zu stoppen, und legte einen Druckverband an. „Ich hatte mein Israeli Bandage, ein Notfallverband der Bundeswehr, in der rechten Beintasche“, sagt der Radarfeldwebel. Seit fünf Jahren ist er Ersthelfer Bravo, eine erweiterte Ersthelfer-Ausbildung, die dem Soldaten auch in seinen Einsätzen in Afghanistan, Kosovo und Litauen geholfen hat.

Als der Notarzt kam, machte Tim Stieding eine professionelle Übergabe. Später hieß es im Krankenhaus: „Das war ein mustergültiger Verband.“ Ohne diesen Verband wäre der Blutverlust zu groß geworden.

 

Kleiner Bruder erleidet Schock

Der kleine Bruder Linus, sieben Jahre alt, musste alles mit ansehen. Er erlitt nach dem Unfall einen Schock. Als der große Bruder vom Notarzt versorgt wurde, wandte sich Tim Stieding dem Kleinen zu. „Er hatte immer auf das Patch geguckt, also gab ich es ihm. Zur Beruhigung“, erzählt der Hauptfeldwebel. Tim Stieding fuhr nach Hause. „Man ist dann da überflüssig. Man stört ja nur. Die Kinder waren versorgt, und die Eltern hatten Wichtigeres zu tun. Also bin ich nach Hause.“

Letztendlich musste auch der kleine Bruder noch ins Krankenhaus wegen des Schocks.

Und am Ende des Tages war das Patch der einzige Hinweis auf den Soldaten, den die dankbare Familie hatte.

Bild: Facebook

Tim Stieding erfuhr erst eine Woche später, dass er von der Mutter über Facebook und mit Anrufen gesucht wurde. „Ich war als Leitender bei einem Schießen auf dem Truppenübungsplatz und hatte keinen Empfang auf dem Handy“, so Stieding.

Die Familie konnte sich inzwischen bei ihm bedanken. Im nächsten Monat will sie den Hauptfeldwebel im Allgäu besuchen.

„Wir sind so froh, dass Herr Stieding da war. Wer weiß, was passiert wäre“, sagt der Vater, Christian Försch, erleichtert. Die Operation hat der verunglückte Sohn gut überstanden. Er geht schon wieder zur Schule. Für den kleinen Bruder Linus ist nach dem Geschehen klar: „Ich will Soldat werden“. Stolz hält er das Patch von Hauptfeldwebel Stieding.

Text: Bundeswehr