Allgäu-Airport – Grünes Licht von der Regierung von Oberbayern

Lkrs. Unterallgäu/Memmingerberg + 13.03.2013 + 13-0451

Allgäu-Airport darf erweitern – Regierung von Oberbayern gibt grünes Licht – Gegner ziehen Klage in Betracht.

allgäu-airport pressefoto new-facts-eu

Die Regierung von Oberbayern hat den Betreibern des Allgäu-Airports Memmingerberg die Genehmigung zur Erweiterung erteilt. Konkret kann nun die Landebahn von bisher 30 auf 45 Meter verbreitert werden. Außerdem können zusätzliche Rollwege und Vorfelder gebaut werden. Auch die Vergrößerung der Terminals und der Bau neuer Werft- und Wartungshallen wurden genehmigt. Auf dem Gelände des Airports sollen in den nächsten Jahren 15 Mio. Euro investiert werden. Bei der Anpassung der Betriebszeiten bis 22 Uhr konnte ein Kompromiss geschaffen werden, diese wurde auf 23 Uhr erweitert. Das bietet dem Flughafenbetrieb mehr Flexibilität.

In einem Gespräch mit dem Geschäftsführer des Allgäu Airports, Herrn Ralf Schmid, konnten wir einige Fragen um den Flughafen klären.

In einer Pressemitteilung vom 06. März 2013 reagiert die Initiative „Bürger gegen Fluglärm“, vertreten durch die Vorsitzende Gabriela Schimmer-Göresz, auf den positiven Bescheid der Genehmigungsbehörde. Es wird schon das Wort „Klage“ offen kommuniziert. Was heißt das für den Airport? Kann trotz Klage mit dem Erweiterungsvorhaben begonnen werden oder muss hier eine Entscheidung der Gerichte abgewartet werden? Wie lange schätzen Sie die Dauer des Klageverfahrens ein?

Klagen sind bei einem Planfeststellungsverfahren nicht unüblich und deshalb nichts Beunruhigendes. Der Bescheid ist mit einem Sofortvollzug verbunden, daher könnte die AAP mit notwendigen Bauvorhaben auch bei einer Klage beginnen.

Bei einem Klageverfahren dürfte mit einer Dauer von ca. 12 bis 18 Monaten zu rechnen sein.

Die Initiative spricht von einem Schlag ins Gesicht für alle die sich um die Energiewende und Klimaschutzziele bemühen. Gehen Sie davon aus, dass durch den Allgäu-Airport Veranstalter neue Linien ins Leben rufen werden oder sehen Sie vielmehr eine Umstrukturierung bestehenden Linien und Flüge ab dem Airport Memmingen?

Der Luftverkehr ist einem globalen Wachstum unterworfen und trägt durch seine Verknüpfung von Regionen erst zu dem heute möglichen Wohlstand der deutschen Bevölkerung bei. Dieses Wachstum wird auch zukünftig, wie in allen deutschen Flughäfen, in Memmingen stattfinden. Der Luftverkehr ist somit ein unerlässlicher Verkehrsträger in unserem System und ist Vorreiter in der Reduktion von Emissionen, da hier sowohl der Umweltfaktor als auch der Faktor Kostenreduktion wirkt. In anderen Branchen ist der Treibstoff noch nicht ein so großer Kostenfaktor, dass sich die Investition in neue, sparsame Technologien lohnt. Der Luftverkehr hingegen unterstützt die Klimaschutzziele durch Reduktion von Emissionen.

Ebenfalls kann der Luftverkehr und die Auswirkungen auf das Klima ausschließlich global und nicht lokal betrachtet werden, d.h. die Ablehnung nur eines Elements des Systems Luftverkehr ist nicht zielführend.

Immer wieder wird angeführt, dass öffentliche Subventionen in den Airport geflossen sind, im Raum steht eine Zahl von 3 Mio. Euro. Können Sie diese Zahl bestätigen? Wie viel Geld wurde von den Gesellschaftern in die Hand genommen, um das Projekt „Allgäu-Airport“ zu realisieren? Wie viele Arbeitsplätze sind im Bereich des Flughafens neu entstanden?

Insgesamt sind 112 Arbeitsplätze bei der Allgäu Airport GmbH & Co. KG geschaffen worden. Ca. 220 auf dem Flughafengelände bei Drittunternehmen (Dienstleistern), die direkt dem Flugbetrieb zu zuordnen sind und ca. 440 in branchenfremden angesiedelten Unternehmen rund um den Airport.

Seit 2004 sind bislang ca. 7,3 Mio. Euro Investitionszuschüsse (Förderhöhe 50%) geflossen. Diese wurden zweckgebunden für Baumaßnahmen und technische Ausstattung für die Umrüstung des Militärflughafens in einen zivilen Flughafen „verbaut“. Laufende Betriebskostenzuschüsse erhält die Airport nicht.

Von den Fluglärm-Gegnern wird die Zahl der Fluggäste von 2,8 Mio. bis zum Jahre 2025 angezweifelt. Vielleicht können Sie kurz erläutern wie die Gutachter zu diesem Ergebnis gekommen sind.

Der Gutachter Intraplan ist ein renommiertes Institut, der für viele Flughäfen Europas Prognosen erstellt. Das Ergebnis beruht auf einer detaillierten und spezifisch für das Einzugsgebiet Flughafen Memmingen erstellten Bedarfs- und Nachfrageermittlung von belastbaren Zahlen und Daten. Im Übrigen hat der gleiche Gutachter auch die Prognose für den Flughafen München erstellt.

Ein weiterer Kritikpunkt ist die derzeit fehlende Wirtschaftlichkeit des Flughafens. Es wird vorgetragen, dass bis Ende 2011 rund 11 Mio. Euro Verluste angefallen sind, dies wird sich wahrscheinlich 2012 nicht gebessert haben, da wird noch etwas oben drauf gekommen sein. Der Wirtschaftsprüfer hat wohl auf ein Insolvenzrisiko zum 31.12.2013 hingewiesen. Nach Angaben der Gegner sind einige Gesellschafter nicht mehr bereit weitere Mittel in den Flughafen zu investieren. Werden neue Investoren/Gesellschafter gesucht? Sollen Anteile von bestehenden Gesellschaftern auf andere bzw. neue übertragen werden?

Anlaufverluste sind für ein Konversions- sowie Infrastrukturprojekt wie einen Verkehrsflughafen nichts Außergewöhnliches und Bestandteil des Businessplans der Betreibergesellschaft. Die Anzahl der Gesellschafter ist in den vergangenen Jahren stetig gewachsen und auch zum jetzigen Zeitpunkt besteht Interesse von Unternehmen aus der Region sich als neuer Gesellschafter zu beteiligen.

Die Betreiber des Allgäu-Airports haben zahlreiche Maßnahmen zur Reduzierung des Fluglärms bereits getroffen. Können Sie kurz erläutern welche und wie sich diese ausgewirkt haben.

Die AAP hat in den vergangenen Jahren Investitionen in die Umsetzung von Schallschutzfenstern bzw. Lüfteranlagen in den Häusern der näheren Umgebung des Airports aufgebracht. Außerdem wurden Lärmmessanlagen in den An- und Abflugbereichen in der Nähe der Wohnanlagen installiert, mit denen die tatsächlichen Lärmereignisse objektiv dokumentiert werden und z.B. über die Allgäu Airport Homepage monatlich veröffentlicht werden.

Foto: Allgäu-Airport


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