AfD-Co-Vorsitzende Petry übt Kritik an Parteichef Lucke

Bernd Lucke, über dts Nachrichtenagentur
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Berlin – Die Co-Vorsitzende der Partei „Alternative für Deutschland“ (AfD), Frauke Petry, hat Zweifel an der Führungsqualität von Parteichef Bernd Lucke angemeldet. „Die entscheidende Frage ist, ob in den Streitfragen ein Kompromiss möglich ist. Dazu müssen aber beide Seiten bereit sein, von ihren Positionen teilweise abzurücken. Das fällt Bernd Lucke häufig schwer“, sagte Petry dem „Handelsblatt“.

„Für ihn bedeutet Kompromiss, wenn er seine Position durchsetzt und der andere nachgibt. Und diese Kompromisslosigkeit hat die Partei in den vergangenen Monaten nicht stärker, sondern schwächer gemacht.“ Sie verstehe auch nicht, dass Lucke die Zeit bis zum Bundesparteitag im Juni nicht für „Konsensgespräche“ nutze, die sie ihm schon mehrfach angeboten habe. „Dass er stattdessen Pressekonferenzen anberaumt, in denen es womöglich um sein persönliches Personaltableau für den neuen Bundesvorstand geht, halte ich für kontraproduktiv“, so Petry. „Auch, dass er mir nicht sagt, wer Generalsekretär werden soll, ist für mich nicht nachvollziehbar.“ Eine Einigung noch vor dem Parteitag werde so immer schwieriger. „Ich hoffe, dass Bernd Lucke die Chance zur Einigung nicht verpasst.“ Kritik äußerte Petry, die auch Landes- und Fraktionschefin der sächsischen AfD ist, auch an Luckes Alleingängen. Sie nahm dabei Bezug auf eine von Lucke Anfang der Woche versandte Email an die Parteimitglieder, in der er zur Lage der Partei Stellung nahm und erklärte, dass er einen Bruch zwischen den nationalkonservativen und bürgerlichen Kräften für unausweichlich halte. Lucke stimme solche „Rundschreiben“ grundsätzlich nicht ab, kritisierte Petry. „Das ist ein Teil des Problems. So sieht für mich gemeinsame Führungsarbeit nicht aus.“ Und sie fügte hinzu: „Ich wirke lieber integrativ als autokratisch. Das unterscheidet mich von Bernd Lucke.“

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