Abenteuer Siedeln 2016 – Ein ganz besonderes Großzeltlager

Siedeln 2016 (3)

Die Welt der Siedler – reichhaltig, dynamisch und vielfältig.

Es ist eine Welt von großen Inseln, dichten Wäldern, fruchtbaren Feldern, Wüsten, Bergen und Fjörden. Eine Welt voll reicher Geschichten und vielen Erzählungen. Eine Welt mit verschiedenartigen Völkern, die ihre eigenen Ziele verfolgen…

Das war Abenteuer Siedeln von 24. – 28. Mai 2016 . Ein Großzeltlager des Bayerischen Roten Kreuzes im Bezirksverband Schwaben, bei dem rund 500 Kinder und Jugendliche der Wasserwacht und des Jugendrotkreuzes eine Woche lang Spaß hatten.

Neben dem gemeinsamen Freizeiterlebnis dominierte auch ein politisches Bildungskonzept die Veranstaltung, in dem jeweils ein Themenschwerpunkt stand und damit die Rahmenhandlung für das gesamte Siedlerleben vorgab.

In diesem Jahr haben sich die ehrenamtlichen Mitglieder der Projektgruppe aus Wasserwacht und JRK auf das Thema „Grenzenlosigkeit“ festgelegt. Beinahe täglich berichten die Medien über Unglücksfälle, Krieg, Flüchtlingsdramen und humanitäre Katastrophen. Ein einzelner kann hier nur sehr wenig bewegen, es müssen alle an einem Strang ziehen. Auch die Ländergrenzen sollten dabei keine Rolle spielen. Das haben die Grundsätze des Roten Kreuzes und der olympische Gedanke gemeinsam. Um diese Gedanken den Kindern und Jugendlichen näher zu bringen, wurde das Lagerleben auf vielfältige Art und Weise gestaltet. Bei der Ankunft wurden die Teilnehmer auf vier große Zeltstädte aufgeteilt: Blaumerika, Rotanien, Gelbien und Grünada. In der Mitte des Platzes bildete „Libertasia“ den zentralen Treffpunkt für das Planspiel, das auch in diesem Jahr nach dem Vorbild des Spiels „Siedler von Catan“ durch die Woche begleitete.

Jeden Tag trafen sich die Teilnehmer dreimal an einem lebensgroßen Spielfeld, um Straßen und Länder zu bauen und Rohstoffe für den Handel zu erwirtschaften. In jeder Spielrunde mussten dann möglichst viele Hilfsgüter in Form von Zeltstädten, Krankenstationen, Feldküchen und Seenotkreuzern errichtet werden, um in der anschließenden fiktiven Katastrophe oder Naturgewalt (Krieg, Dürreperiode, Erdbeben oder Verfolgung) die Not der Bedürftigen lindern zu können. Entsprechend wurde auch das „Helfometer“ des jeweiligen Landes passend gefüllt. Schlussendlich hatte Gelbien die meiste Hilfe geleistet und gewann das Planspiel vor Rotanien. Für den Sieg erhielten die Teilnehmer eine große Menge der lager-eigenen Währung „Dunants“.

Parallel dazu wurden den Teilnehmern verschiedene Tagesaufgaben gestellt. So sollte am ersten Tag die Grundversorgung der Bewohner in Form einer Plantage sichergestellt werden. Dabei wurde auch besonderer Wert auf eine Auffangmöglichkeit von Regenwasser gelegt, um die Bewässerung der Pflanzen sicherstellen zu können. In der nächsten Aufgabe musste eine Behausung errichtet werden, um das Bedürfnis nach Sicherheit und Geborgenheit erfüllen zu können. Damit auch in den Zeltstädten die Grenzen untereinander fallen, war die dritte Tagesaufgabe sehr frei gestaltet: „errichtet eine exquisite Erweiterung eurer Station, die die Lagerlebensqualität für alle Siedler erhöht“ – so wurde ein Musical inszeniert, eine Wellnesslandschaft mit Massagebett, Pool und Bar errichtet und ein Barfußpfad mit anschließender Lounge zur Erholung geschaffen.

Als besonderes Highlight befand sich auch eine „lebendige Bibliothek“ auf dem Platz. Hierzu waren Persönlichkeiten eingeladen, die hautnah von Erfahrungen mit dem Schwerpunktthema der Grenzenlosigkeit aus ihrem eigenen Leben berichteten. So war zum Beispiel ein Soldat in das normale Lagerleben integriert und konnte so einen Raum für Begegnungen und persönlichen Austausch schaffen. Die Teilnehmer konnten so aus erster Hand erfahren, welchem Leid die Menschen in Krisengebieten ausgesetzt sind und die Beweggründe der Flucht besser verstehen. Von den ersten Erfahrungen der ankommenden Menschen in Deutschland erzählte Herr Geiger, Leiter einer Flüchtlingsunterkunft. Dabei werden sowohl die Dankbarkeit und Erleichterung der Menschen „angekommen zu sein“ erlebbar, aber auch die Angst und drohende Gewalt durch die Einwohner, die sich radikal gegen die Flüchtlingspolitik und Menschen auflehnen. Diese Erfahrungen wurden auch durch einen Polizisten und eine Mitarbeiterin einer Justizvollzugsangestellte erweitert.

Parallel zum Schwerpunktthema sollte auch der olympische Gedanke und Spaß der Teilnehmer nicht vernachlässigt werden. So konnten sie an den Vormittagen aus 25 Workshop-Themen unter anderem wählen: Luftballone knoten, Instrumente basteln, auf Bäume klettern, die Arbeit der Rettungshundestaffel kennen lernen oder beim Bootcamp auch die eigenen körperlichen Grenzen überwinden. Besonders spannend war auch der lebendig gewordene Henry Dunant, Gründer des Roten Kreuzes, der sich auf dem gesamten Gelände mit den Kindern auf eine Schatzsuche nach den Spuren des Roten Kreuzes begab.

Die Abende eines Siedlertages wurden mit einem vielfältigen Abendprogramm abgerundet. Um 20 Uhr zeigte jeweils die eigene Lagerschau einen Rückblick auf den vergangenen Tag in Form von Bildern und Filmaufnahmen, bevor das Lagerkino oder eine schaurige Nachtwanderung begann. Als Highlight fand am Donnerstag eine Lagerdisco statt, bei der ausgiebig gefeiert und getanzt wurde. Alle Teilnehmer hatten eine gut sichtbare Nummer bekommen, so konnte man sich untereinander bei der „Flirt-Connection“ kleine Nachrichten zukommen lassen. Der DJ heizte parallel dazu kräftig die Stimmung ein. Wer lieber mehr die Zeltlager-Atmosphäre genießen wollte, setzte sich in geselliger Runde an das Lagerfeuer.

Das gesamte Zeltlager wurde in einer 23-köpfigen Projektgruppe von ehrenamtlichen BRK-Mitgliedern gemischt aus Wasserwacht und JRK im Vorfeld geplant und organisiert. Während des Siedlerlebens wurden sie von ca. 50 Helfern der erweiterten Projektgruppe und dem Küchenteam, bestehend aus ca. 30 Helfern, unterstützt. Insgesamt waren 504 Siedler aus allen Landkreisen des Bezirks Schwaben sowie aus den Gastgruppen aus Biberach und München dabei. Zeitweise nahmen mit allen Helfern, der Projektgruppe, dem Küchenteam, der lebendigen Bibliothek und den Gästen über 660 Personen am Lagerleben teil.

In zwei Jahren geht das Abenteuer Siedeln in die sechste Runde und wird wieder in der zweiten Woche der bayerischen Pfingstferien stattfinden: 29. Mai bis 2. Juni 2018.

Abenteuer Siedeln in Zahlen, Daten und Fakten

Teilnehmer

Wasserwacht-Jugend 455

Jugendrotkreuz 69

Bereitschaftsjugend 8

Gesamt-Teilnehmerzahl 504

Teilnehmer aus allen Landkreisen des Bezirks Schwaben, sowie Gastgruppen aus Biberach und München

Siedeln 2016 (33)

Projektleitung

Projektgruppenmitglieder 23

Erweiterte Projektgruppe / Helfer ca. 50

Küchenteam ca. 30

Zeltplatz

Personen auf dem Platz gesamt >600

Anzahl Großzelte 46

Workshops

Anzahl angebotene Workshops 48

Teilnehmer in Workshops Mi 300, Do 400, Fr 300

Verschiedene Themen 25

Verpflegung

Verschiedene Mittagessen pro Tag 5

Ausgegebene Kartoffelpuffer pro Minute 56

Verpflegte Personen in 18 Minuten 460